Eine Freundin von mir erhielt die "Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch" von Marina Lewyka zu Weihnachten und der Schenker erklärte ihr, dass das Buch alle ganz toll fanden. Beim nächsten Besuch bei Dussmann (großes Berliner "Kulturkaufhaus") kaufte ich es dann prompt, um mich zu überzeugen, ob "alle" denn nun recht haben.
Der Inhalt ist recht schnell erzählt: Ein 84jähriger Witwer, der zwar ursprünglich aus der Urkaine stammt aber bereits seit vielen Jahren in England lebt, heiratet eine 36jährige Ukrainerin. Diese Ehe gefällt den Töchtern des älteren Herrn nun überhaupt nicht. Obwohl beide grundverschieden und auch überhaupt nicht grün miteinander sind, haben sie sich das gemeinsame Ziel gesetzt, diese Ehe zu beenden. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht und sie scheuen auch nicht davor zurück, die Abschiebung von Valentina (so heißt ihre neue "Stiefmutter") voranzutreiben.
Diese Familiengeschichte ist wirklich sehr kurzweilig und unterhaltsam erzählt, ist wunderbar ironisch und bleibt dennoch nicht so oberflächlich, wie es die die Erzählweise vielleicht befürchten lässt. Denn das sich zunächst aufdrängende Schwarz-Weiß-Gefüge (böse materialistische Asylbetrügerin ./. armer alter ausgenutzter Opa) löst sich sehr schnell auf und es zeigen sich sehr viele Grautöne. Etwa wenn man erfährt, dass der frischgebackene Ehemann seine Frau gerne mit größeren Brüsten hätte und ihr deswegen eine OP bezahlt - oder wenn geschildert wird, wie unattraktiv die Lebensverhältnisse in der Ukraine sind und man Valentinas Ziel, ihrem Sohn (den sie mit ins Land und in die Ehe bringt) ein besseres Leben zu ermöglichen, versteht.
Note: 1
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